Arme Schweine

High Life im Schweinestall – oder quälende Langeweile?

In natürlicher Umgebung verbringen Schweine bis zu 75 Prozent der wachen Zeit mit dem Erkunden ihrer Umgebung, mit Wühlen und dem Beißen und Zerkauen von Materialien, die sie dabei finden. Dank dieser Neugier findet das Schwein in der Natur immer wieder essbares. Im Stall wird Nahrung einfach zur Verfügung gestellt – ein Leben im Schlaraffenland, oder eines geprägt von Frustration und Langeweile? Obwohl die Nahrungssuche sich erübrigt, bleibt der Trieb dazu unverändert erhalten, seine Frustration führt zu massiver Verhaltensstörung.

Ein Schweinestall wird nämlich zumeist ausschließlich nach wirtschaftlichen Kriterien gebaut – nicht nach Tierwohl-Kriterien. Und so finden wir in diesen Ställen nichts als Vollspaltenboden, einen Futtertrog und eine Trinkmöglichkeit. Und Tiere. Viele, viele Tiere. Denen die meiste Zeit extrem langweilig ist – und die bei ihrer verzweifelten Suche nach Abwechslung und Erkundung von Kaumöglichkeiten auf das Einzige stoßen, das verfügbar ist: ihre Artgenossen. So wird, ganz dem natürlichen Verhalten entsprechend, eben gekaut und zerbissen: Im faden Einerlei des Durchschnittsschweinestalls dann eben Schwänze und Ohren der Artgenossen.

Und wie reagieren nun die lieben Schweinemäster, um dieses Problem zu beheben? Vielleicht durch Zugabe von Beschäftigungsmaterial oder gar mehr Platz? Nein, weit gefehlt! Da kommen unsere tüchtigen Schweinemäster doch auf eine viel billigere Lösung: Verstümmeln der Tiere durch das Abschneiden der Schwänze!

Versucht niemand, das zu verhindern?

Die EU-Vorschriften versuchen, im Interesse der Schweine wenigstens ein Minimum an Beschäftigungsmaterial vorzuschreiben. Wenn ihnen nämlich etwas Interessanteres zum Untersuchen angeboten wird, sind die Artgenossen als „Kaumaterial“ sofort aus dem Spiel. Daher müssten Schweine, gemäß der EU-Richtlinie 2008/120/EG über Mindestanforderungen für den Schutz von Schweinen, ständigen Zugang zu ausreichenden Mengen an Materialien haben, die sie bekauen, untersuchen und bewegen können. Die Richtlinie zählt dazu im Anhang I Kapitel I Nr. 4 Materialien auf wie z.B. Stroh, Heu, Holz, Sägemehl, Pilzkompost, Torf, etc.

Auch in Österreich werden diese Vorgaben demnächst in der 1. Tierhaltungsverordnung gefordert.

In der Praxis gibt es allerdings meist wenig bis kein Beschäftigungsmaterial. Ketten oder Seile, Plastikhülsen über den Käfigstangen oder ein Autoreifen, der in die Bucht geworfen wird, das ist schon das Maximum, was sich findet, laut Untersuchungen aber vollkommen unzulänglich ist.

Was wäre denn dann eine adäquate Beschäftigung?

Besonders geeignete Beschäftigungsmaterialien sind ständig verfügbares Rauhfutter, Strohraufen und, gegen Schwanzbeißen bei weitem am wirksamsten: Die vollständige Stroheinstreu. Aber gerade diese Maßnahmen sind technisch schwer mit dem Vollspaltenboden zu vereinen, dieser tierquälerischen Haltungsform, um welche die Schweinebranche kämpft, als ginge es um ihr Leben.

Ihr Totschlagargument: „Zu teuer“. Tierhaltung ohne Vollspaltenboden: „Nicht wirtschaftlich“. Diese einfallslose Argumentation bedeutet aber in der Praxis: Weiter Vollspaltenboden -> weiter Langeweile -> abgeschnittene Schwänze, damit sich die Schweine diese nicht gegenseitig zerkauen.

Gibt es keinen guten Tierhalter?

Tierhaltung, auch bei Schweinen, kann viele Formen haben. Es gibt natürlich auch Tierhalter, die ihre Schweine im Freiland halten – wo Tiere, auch hingehören! Aber das sind vereinzelte Ausnahmen gegenüber der Masse, die ihre Schweine in Ställen ohne jeglichen Auslauf hält. Ein Beispiel, dass aber selbst konventionelle Stall-Haltung ohne Schwanzkupieren möglich ist, sind die Brydock Farms in UK, die 4.000 Schweine pro Woche produzieren – also wahrlich kein Kleinbetrieb. Diese halten ihre Schweine auf einer tiefen Stroheinstreu, was den Tieren eine sehr gute Beschäftigung gibt. Somit behalten die Schweine dort meist ihren Schwanz ungekürzt und trotzdem sind Bissverletzungen die seltene Ausnahme.

In der Realität orientiert sich die Schweinebranche aber ungerne an solchen positiven Beispielen. Obwohl europäische Netzwerke von Landwirt*innen versuchen, darauf hinzuweisen. Stattdessen blickt die österreichische Schweinebranche lieber stur auf das Preisschild, schafft keine tatsächlich besseren Tierhaltungsbedingungen – und beschwert sich dann, dass die bösen Konsument*innen ja keine höheren Preise zahlen wollen. Ja, wofür denn auch? Gäbe es in Österreich eine bessere Schweinehaltung als in anderen EU-Ländern – und würde hier fürs Tierwohl wirklich mehr gemacht – dann könnte das auch transparent und ehrlich an die Verbraucher*innen kommuniziert werden. Aber in Österreich ist die Realität für die Schweine eben keinen Deut besser als in anderen Ländern – im Gegenteil.

Billig statt Tierwohl

Leider bleibt es also beim Kreislauf des Schweine-Leides: Billiges Fleisch im Supermarkt = viele Tiere auf wenig Fläche = Vollspaltenboden = unzulängliches Beschäftigungsmaterial = Schwanz- und Ohrenbeissen = Verstümmelung der Tiere durch Abtrennen des Schwanzes.

Durchbrechen wir diesen Kreislauf des Tierleids! Geben wir Schweinen ein Minimum an Tierwohl: Auslauf ins Freie und Beschäftigungsmaterial.

Wenn Du selbst noch heute ein Zeichen gegen Tierleid bei Schweinen setzen möchtest, höre auf, Schweinefleisch zu kaufen, so lange die Zustände in der Schweinehaltung so katastrophal sind.

Oder hast auch Du nicht die Eier, das Leid zu beenden?

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