Arme Schweine

Schweinemäster-Verband für ein Ende der Kastration?

Einer der größten Schweinemäster-Verbände Österreichs ist die steirische Styriabrid. Deren Obmann Kurt Tauschmann hat vor Kurzem ein Interview gegeben, in dem er sich zum aktuellen Diskussionsprozess rund um die Kastration von Schweinen äußert. Darin erklärt er, dass ein Verbot der Schmerzkastration für die österreichischen Schweinebauern eine totale Katastrophe wäre, denn was in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern funktioniert, würde in Österreich nicht funktionieren. Die bereits existierenden Alternativen wären nämlich hier nicht machbar. Obwohl Herr Tauschmann in seiner Funktion wissen sollte, dass es hierzulande sehr wohl bereits einzelne Betriebe gibt, welche die von ihm aufgeführten Alternativen erfolgreich anwenden: Ebermast und Kastration unter Narkose. Also unter völliger Schmerzausschaltung.

Von beiden Methoden behauptet er, dass sie nicht funktionieren würden. Und für die dritte Alternative, die sogenannte Immunokastration, sieht er komplett schwarz. Denn sie stelle „einen Hormoneingriff in das Tierleben [dar] und [stehe] damit für etwas, das in Österreich insgesamt von der Gesellschaft abgelehnt wird.“ Damit spielt der Funktionär wieder einmal bewusst mit öffentlichen Ängsten, indem er eine Methode fälschlich in das Eck „Hormonpräparat“ stellt. Was sie aber definitionsgemäß nicht ist. Und wer etwas anderes behauptet, kennt sich in seinem eigenen Metier nicht aus, oder führt die Konsument*innen bewusst in die Irre. Denn worin besteht der Unterschied zwischen Immunokastration und der chirurgischen Schmerzkastration? Und wo sind die Parallelen?

Kurt Tauschmann lehnt also Eingriffe in den Hormonhaushalt von Tieren ab. Meint er das wirklich so?

Beide Methoden, die chirurgische Kastration, sowie die Immunokastration, dienen dem Zweck, die Bildung von Geschlechtshormonen bei männlichen Schweinen zu verhindern.

Die chirurgische Schmerzkastration erreicht das Ziel, indem der Hoden des Ferkels in den ersten Lebenstagen entfernt wird, woraufhin keine Geschlechtshormone gebildet werden. Nie mehr. Die Entfernung geschieht ohne Schmerzausschaltung und bedeutet für das Tier eine endgültige Verstümmelung.

Die Immunokastration hingegen wird wie eine zweimalige Impfung im Abstand weniger Wochen verabreicht. Nach der zweiten Spritze fängt das Immunsystem des Tieres den Botenstoff, der die Hoden zur Hormonausschüttung anregt, im Blut ab. Da dieser damit nicht mehr in den Hoden ankommt, erliegt dessen Funktion vorübergehend (!!). Würde man einige Wochen abwarten, kehrte die normale Funktion dieser Organe zurück, als wäre nichts geschehen.

Die Verstümmelung durch die Schmerzkastration ist somit ein wesentlich radikalerer und endgültiger Eingriff in den Hormonhaushalt und die Integrität des Tieres. Würde Kurt Tauschmann ehrlich meinen, was er sagt, dann müsste er die chirurgische Kastration dementsprechend viel vehementer ablehnen als die Immunokastration.

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Aber so hat er es sicher nicht gemeint.

Sei Kurt Tauschmann, dem Styriabrid-Obmann, das alles mal als Standesvertreter verziehen. Polemik kommt immer, wenn die Argumente ausgehen. Denn die von ihm erwähnte Arbeitsgruppe „Eingriffe beim Nutztier“ hat klar als Ergebnis herausgearbeitet, dass die heute gängige Praxis der Schmerzkastration Tierqual ist. Und dass es drei ausgereifte Alternativen dazu gibt: Jungebermast, Kastration unter Narkose und eben die so genannte Immunokastration.

Klar, jede einzelne birgt eigene Herausforderungen in der Umsetzung – aber zumindest wir vom Tierschutz trauen den Schweinebauern so viel Flexibilität, Professionalität und Innovationsgeist zu. Schade, dass ihre eigene Standesvertretung sich oft so verhält, als würde sie das nicht tun.

Kommentare

  1. MUSS EIN ENDE HABEN !!

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