Arme Schweine

Von billigen Schnitzeln und dem elenden Leben über dem eigenen Kot

Eines der Schlagwörter, welches in Medien und privaten Diskussion gleichermaßen häufig fällt, ist „Massentierhaltung“, also mit anderen Worten: Viele Tiere auf wenig Raum.

Am Beispiel der Schweinehaltung wollen wir uns den Begriff näher ansehen, beziehungsweise auch beleuchten, was diese Praxis für die Hauptleidtragenden bedeutet.

Wer billiges Fleisch kauft, verhindert artgemäße Tierhaltung

Klingt zu hart? Ist aber schnell und simpel erklärt: Ziel industrieller Produktion ist immer die Suche, Ware zu möglichst geringen Kosten herzustellen. Darin unterscheidet die Tierindustrie sich nicht vom Automobilhersteller. Einer der wichtigen Kostenfaktoren in unserem hochentwickelten Wirtschaftsraum ist der Platzbedarf pro Produktionseinheit und so gelangten wir dank unseren kompromisslos ertragsorientiert denkenden Schweinebauern zu einem Punkt, wo einem Mastschwein gerade einmal 0,7 Quadratmeter Platz zugestanden werden. 0,7 Quadratmeter, eine Fläche von 90cm x 80cm also, Platz genug also für ein ausgewachsenes Tier, um sich gerade einmal hinzulegen.

Foto eines Schweins auf Vollspaltenboden, das gerade versucht, sich zwischen anderen Schweinen hinzulegen.

Aber Schweine sind eben keine Autotüren, die man bedenkenlos stapeln kann – zu ihren minimalen Bedürfnissen gehört neben einem Liegeplatz auch ein separater Kotplatz und zumindest ein wenig Aktivitätsplatz.  Für diese Minimalbedürfnisse hat die Schweine-Industrie eine gleichermaßen schlaue wie perfide „Lösung“ gefunden:

Sie hat diese drei Bedürfniszonen einfach virtuell übereinander gelegt, aus dem Boden einen Vollspaltenboden gemacht, durch den die Tiere ihre Ausscheidungen durch ihre Bewegungen selbst in eine darunterliegende Kotgrube entsorgen.

Dass diese Art von Boden außerordentlich schmerzhaft für Schweinezehen ist, dass ein Leben über dem eigenen Kot für die extrem geruchsempfindlichen Tiere eine fortgesetzte Qual bedeutet – all das kümmert die Schweineproduzenten wenig. Dabei braucht es wenig Phantasie sich vorzustellen, wie ein Lebewesen, das wegen seiner feinen Nase oft zur Trüffel Suche eingesetzt wird, in so einer Umgebung leiden muss.

Vollspaltenboden verhindert natürliches Verhalten

Neben dem Riechen dient der Rüssel für das Schwein vor allem als ein Werkzeug zum Wühlen. Wie Wildschweine erkunden auch Hausschweine, sobald sie die Möglichkeit dazu bekommen, hochaktiv ihre Umgebung. Sie sind neugierig und intelligent, versuchen ständig Neues zu entdecken; und eine der Möglichkeiten dazu ist das Wühlen mit dem Rüssel – und das anschließende Zerbeißen von Gefundenem.

Ein Beton-, oder Vollspaltenboden bietet dem Schwein keinerlei Möglichkeit seine Natur auszuleben: Nichts zu wühlen oder zu Beißen. In einem heute üblichen Stall bleibt dem Tier also gar nichts anderes übrig, als auf Ersatzhandlungen auszuweichen: Auf sogenanntes „Scheinwühlen“ – also dem Reiben des Rüssels an Boden, Stangen oder Artgenossen; und dem Beißen auf dem erstbesten was es dann eben findet. Sei es eine Eisenstange des Stalls oder eben der Schwanz eines Artgenossen. Darum werden die Schwänze in der Schweinehaltung auch in fast jedem Betrieb abgeschnitten.

Foto von drei Schweinen am Futtertrog in einem Stall mit Gittern und Vollspaltenboden

Haben Schweine die Möglichkeit, legen sie natürlicherweise auch Liege- und Kotplatz getrennt voneinander an. Den Kot- und Harnplatz bevorzugt an zugigen Stellen, damit es eben nicht riecht – vor allem nicht im Liegebereich. Wie aber oben erwähnt, wird exakt dieser Liegebereich und der Kotbereich durch den Vollspaltenboden übereinandergelegt.

Was zählt mehr: Billiges Fleisch oder ein Mindestmaß an Tierwohl?

Der Vollspaltenboden mag gut für den wirtschaftlichen Erfolg des Landwirts sein: Mehr Tiere auf weniger Platz sorgt für mehr Effizienz – und das freut den Handel. Denn dieser hat damit ein gutes Argument, die Preise dauerhaft zu drücken. Und das freut wiederum unkritische Konsument*innen die zum billigsten Kotelett greifen bevor es jemand anderer kauft.

Diesen Teufelskreis durchbrechen könnte nur die Politik; aber dazu würde es Politiker*innen brauchen, die auch den Namen verdienen, ein verantwortungsbewusstes Landwirtschaftsministerium, ein entscheidungsfreudiges Tierschutz-/Gesundheitsministerium, Politiker*innen also, die nicht vor der erstbesten Wirtschaftslobby zitternd in die Knie sinken.

Daher fordert UNITED CREATURES ein deutlich höheres Platzangebot für die Schweine in österreichischen Ställen! Die Tiere müssen einander ausweichen können und Liege-, Aktivitäts- und Kotbereich getrennt voneinander haben. Zumindest der Liegebereich muss mit Stroheinstreu sein, so dass die Tiere weich liegen und Material zum Wühlen und untersuchen haben.

In Ställen ist das natürliche Verhalten von Schweinen nie voll auslebbar. Aber das darf kein Argument sein, ihre Bedürfnisse vollständig zu missachten und sie über unbetäubte operative Eingriffe an unzureichende Haltungsbedingungen anzupassen.

Wenn Du die Eier hast, heute schon etwas daran zu ändern, hör einfach auf, Schweinefleisch zu kaufen und zu essen. Im Moment finden unwürdige Behandlungen, wie das betäubungslose Kastrieren der Schweine, sowohl in der konventionellen, wie auch in der Bio-Landwirtschaft statt. Auch wenn viele Konsument*innen angeben, das nicht gewusst zu haben.

Kommentare

  1. Bin ganz ihrer Meinung finde das. Einfach nur zum kotzen die Armen Schweine ich esse kein Fleisch. Mich macht das sehr traurig dass der Mensch so mit Lebewesen umgeht.

  2. Maria Müller  /  30. März 2017 at 0:10 Antworten

    Zum Heulen, Schweine lieben frisches Stroh zum Wühlen, am liebsten diese rechteckigen Bündel die sie selber zerlegen können. Und sie haben auch gerne frisches Grünes zum Fressen. Frische Luft und Licht wie wir.
    Wie man mit Tieren umgeht, ist kaum auszuhalten, haben den Menschen keine Sensibilität, kein Gefühl und kein Herz mehr für Mitgeschöpfe.
    Diese Gedanken machen mich so traurig!

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